
I
s Hochzeitsgeschenk wünschten sich Stefan Winterling und Eva Maier eine Alembik, ein traditionelles Destilliergefäß. Während die meisten jungen Paare sich vielleicht Geld für ihre Flitterwochen wünschen oder in Designermöbel investieren würden, traf das Paar eine radikale Entscheidung: das Geld aus ihren Geschenken in eine Brennblase zu investieren. Dieses kostbare Werkzeug ist heute das schlagende Herz von Gin Eva und wird verwendet, um Wacholderbeeren, Orangen, Mandarinen, Zitronen, Oliven, Thymian, Rosmarin und die Getreidesorten zu destillieren, die für ihren beliebten Gin benötigt werden.
Nichts hatte Stefan auf die Gin-Herstellung vorbereitet. Aus einer Winzerfamilie stammend, studierte er Önologie und strebte eine Karriere in der Weinwelt an. Doch während seines Studiums lernte er Eva kennen, eine Önologie-Studentin aus Barcelona. Nach seinem Studium fand Stefan, der unbedingt Spanisch lernen wollte, eine Anstellung bei Can Vidalet, einer Bodega, die von einem Deutschen geführt wurde und in der Nähe von Pollensa lag. Und in dieser Bodega gab es eine Brennblase. Stefan schlug vor, Wacholderbeeren zu destillieren, um Gin herzustellen, und entdeckte dabei eine Leidenschaft für den Prozess. „Unseren ersten Gin haben wir aus reiner Neugierde hergestellt“, erklärt Stefan. „Er war nichts Besonderes, nichts, was uns wirklich angesprochen hätte. Aber er weckte großes Interesse, und wir erkannten schnell, dass es einen Markt dafür gab. Das gab dem Projekt neuen Schwung.“ Drei Jahre später, im Jahr 2011, besiegelten Stefan und Eva ihr Schicksal: Sie heirateten und gründeten Gin Eva, eine der ersten Craft-Gin-Marken auf Mallorca.
Während der klassische Gin Tonic auf der Iberischen Halbinsel schon immer dominierte, begannen sich seine Konventionen in den 2000er Jahren zu verschieben, als eine Welle junger baskischer und katalanischer Köche auf der internationalen Gastronomieszene auftauchte. Im Baskenland begannen Köche, den Gin Tonic neu zu interpretieren. Sie verbannten die Zitronenspalte zugunsten frischer Zitrusschalen, Kräuter oder Beeren und behandelten das Glas wie ein Gericht, um sein aromatisches Profil hervorzuheben. Sie gaben die klassischen geraden Gläser auf, die sich beim Kontakt mit der Handfläche erwärmen, zugunsten der Copa de Balón, eines großen, runden Glases mit Stiel, das problemlos zwei oder drei riesige Eiswürfel aufnimmt und so eine gleichmäßige Kühlung gewährleistet. Diese neue Gin-Kultur setzte sich schnell durch, eroberte die Bars von Madrid und Barcelona, bevor sie den Rest Europas eroberte.















